|
Name: Kulmkeltendorf Betreiber: Museumsverein Lage: 8212 Kulm bei Weiz, Steiermark, Österreich Öffnungszeiten: 1. Mai - 26. Oktober Wochentags 10.00 - 16.30 Uhr Sonn- und Feiertags 10.00 - 17.30 Uhr Montags geschlossen Eintritt: Erwachsene: 2,90 € / Senioren, Gruppen und Gästepassinhaber: 2,50€, Schüler im Klassenverband ohne Führung: 1,50 €, Führung auf Anmeldung ab 10 Personen: 1 €, Kinder bis 14 Jahre in Begleitung: freier Eintritt Plus / Minus: + Landschaftlich traumhafte Lage, brauchbare Hausrekonstruktionen - Anachronismen, sachliche Fehler auf Schautafeln, Zugeständnisse ans esoterische Publikum Keltologisches Interesse: ** (von *****) |
| Kulm - ein "Keltendorf", das keines sein wollte | |
|
Unweit der Stadt Weiz liegt landschaftlich sensationell das "Kulmkeltendorf", ein von einem rührigen Verein betriebenes Freilichtmuseum. Eine Unterhaltung mit dem freundlichen Museumswärter fördert Erstaunliches zu Tage, nämlich dass die Betreiber ihr Museum nicht freiwillig "Keltendorf" genannt haben, sondern von der steirischen Landesregierung dazu gezwungen worden sind. Und zwar wie folgt: bekommt das Museum, das Hausformen ab dem Neolithikum vorstellt, nicht das vermeintlich touristisch verwertbare Reizwort "Kelten" als Namensbestandteil verpasst, dann gibt es keine finanzielle Förderung von seiten des Landes. Man kann es dem Museumsverein natürlich nicht übel nehmen, dass dieses unwiderstehliche Angebot angenommen worden ist - es sei denn, man stellt selbst Geld auf. Aber der Spagat zwischen versuchter Seriosität und finanziellem Sachzwang ist dem Museum in mancher Hinsicht anzumerken und geht oft zu Ungunsten der Seriosität aus. In diesem Fall können Besucher ohne Vorkenntnisse durch den dem Museum aufgezwungenen Anachronismus zwischen "Kelten"-haltigem Namen und Alter der Hausformen leicht einen verzerrten Eindruck der Frühgeschichte Mitteleuropas mitbekommen. Ein großer Teil des Publikums scheint das Museum aus esoterischen Beweggründen aufzusuchen, was sich z.B. in einer Schautafel mit dem sattsam bekannten, von der Zeitschrift Marie-Claire erfundenen "keltischen Baumkalender" niederschlägt. Den Betreibern ist die Unsinnigkeit bekannt, aber, so wird versichtert, man müsse eben die Erwartungen des Publikums befriedigen, da sonst das Geld fehle. Deshalb auch das jährliche Vollmondfest auf dem Museumsgelände. Die Hausrekonstruktionen sind im Allgemeinen gut gelungen, wenn auch die Einrichtung recht mager ist - ein Punkt, der aber auf die meisten urgeschichtlichen Schaudörfer zutrifft. Reenactor werden hier also nur bedingt Freude haben. A propos 'Reenactor': Mit Hilfe von in Hallstatt- und La-Tène-zeitlichem Stilmix gekleideter Schaufensterpuppen sind einige der Häuser bevölkert worden. Insgesamt ist das Museum diesbezüglich aber (vor allem auch angesichts der beschränkten Mittel des Betreibervereins) untadelig. Weniger erfreulich sind die seltenen Schautafeln, die unter anderem mit pseudogallischen Zitaten glänzen. "Pota uimpi corma da!" (Schönes Mädchen, gib Bier!) sei eine Wandinschrift in einer Taverne gewesen, lesen wir da. Hier handelt es sich natürlich um eine entstellte Version der in galloromanischem Kreol verfassten Spinnwirtelinschrift "Nata uimpi curmi da!" (nachzulesen z.B. bei Meid, Gaulish Inscriptions, Archaeolingua 1991). Insgesamt läßt sich ein Besuch des Museums nur denjenigen empfehlen, die erstens ohnehin schon in der Gegend sind und zweitens über genug Vorwissen verfügen, um das, was hier präsentiert wird, cum grano salis zu nehmen. In diesem Fall wird sich ein landschaftlich traumhafter Ausflug ins steirische Hügelland ergeben. Eine längere Anreise ist aber beim derzeitigen Zustand des Museums nicht gerechtfertigt. (breizhatavpilamiks) |
![]() Norische Begrüßung, wie man sie sich in Kulm vorstellt ![]() Alltagsszene mit Schaufensterpuppen |