Eisenzeitliches Schaudorf Mitterkirchen




Kurzinfo

Name:
Keltendorf Mitterkirchen

Betreiber:
Museumsland Donauland Strudengau; Gemeinde Mitterkirchen

Lage:
Mitterkirchen im Machland, Oberösterreich, Österreich (A1 Abfahrten Enns, Ybbs, Amstetten)

Öffnungszeiten:
15. April - 31. Oktober
Täglich 9.00 - 17.00 Uhr

Eintritt:
Erwachsene 4 €, Gruppe Erwachsene ab 20 Personen, 3,50 €, Familienkarte (Eltern mit Kindern bis 15 Jahre 8€, Schüler / Studenten 3€, Schüler- / Studentengruppe ab 20 Personen 2,50 €. (Voranmeldung für Gruppen erforderlich, Tel. +43 7269/6611)

Plus / Minus:
+ Funktionale Anlage (Dorfstruktur statt Lehrpfad), möblierte (nach Situlendarstellungen) Hausrekos, Zusammenarbeit mit Uni Wien
- Stilbruch & Anachronismus: wikingisches Langhaus neben dem eigentlichen Schaudorf

Keltologisches Interesse: **** (von *****)



Mitterkirchen - hallstattzeitliche Dorfstruktur statt Lehrpfad

Das hallstattzeitliche Schaudorf Mitterkirchen ist von seiner Anlage her in Österreich einzigartig. Während andere Urgeschichtsmuseen wie Asparn oder Kulm in Form von Lehrpfaden angelegt sind, entlang derer Rekonstruktionen von Hausformen verschiedener Epochen mehr oder weniger chronologisch geordnet aufgereiht sind, ist dieses Museum erstens synchron und zweitens als tatsächliches Dorf konzipiert. So finden sich um den Dorfplatz gruppiert Sommer- und Winterhäuser, ein mit Grafitti verziertes "Häuptlingshaus" (um auch die Auswirkungen sozialer Stratifikation auf die Bauform aufzuzeigen), Kornspeicher etc. Die Gebäude sind mit Rekonstruktionen von auf Situlen abgebildeten Einrichtungsgegenständen möbliert. Neben dem Dorfplatz befindet sich ein Grabhügel, in dem die Nachbildung eines in einem nahen Gräberfeld ergrabenen "Fürstinnengrabes" (Wagengrabes) zu besichtigen ist. Ebenso vom Dorfplatz abgesetzt ist eine überdachte Holzbühne, die für Konzerte und Theateraufführungen benutzt wird.

Auch sonst unterscheidet sich das Schaudorf wohltuend von ähnlichen Projekten: das jährlich organisierte Keltenfest ist zwar wiederum anachronistisch (da eher La-Tène-lastig), wird aber in Zusammenarbeit mit dem oberösterreichischen Landesmuseum und der Universität Wien organisiert, weshalb es hier nicht zu esoterischen Exzessen kommen kann.

Was den ungemein positiven Eindruck trübt, ist ein wikingisches Langhaus, das (zum Glück abgesetzt vom eigentlichen Dorfplatz) errichtet worden ist, weil ein Gemeindepolitiker von einem Nordseeaufenthalt mit dem unbändigen Wunsch zurückgekehrt ist, daheim auch so etwas zu bauen. Dass damit das gesamte synchrone, funktionsorientierte Konzept des Museums massiv gestört wird, scheint wenigstens insofern Eindruck gemacht zu haben, als dieses Gebäude nicht leicht einsehbar in der zweiten Reihe steht. Was bleibt ist der Ärger darüber, dass ein ansonsten makellos ausgeführtes Freilichtmuseum sinnlos verschandelt worden ist. Trotzdem ist es mit Sicherheit die beste Einrichtung dieser Art in Österreich. (breizhatavpilamiks)

'Dorfplatz' Foto (c) Mag. J. Gusenbauer
Der Dorfplatz während eines Tanzworkshops



Disclaimer: Die Beschreibungen der einzelnen Museen geben ausschließlich die persönliche Meinung ihrer Verfasser wieder.

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